175 x 270 mm, 88 Seiten, Hardcover
Sprache: deutsch
Auflage: 107
„Claus stolpert“ ist eine 34-teilige fotografische Serie über das Stolpern als fragile Form der Gegenwart. Ein Mann im beigen Mantel bewegt sich durch urbane Stadträume, ohne eindeutig bestimmbares Ziel, ohne verlässliche Herkunft. Die Figur bleibt bewusst ungreifbar – Projektionsfläche zwischen Alltag, Abweichung und Inszenierung. In direkter Begegnung von Körper, Licht und Architektur entstehen die Fotografien im öffentlichen Raum; kurze Belichtungszeiten frieren Sekundenbruchteile ein, in denen das Gleichgewicht kippt. Schritte kreuzen sich, Achsen brechen, der Mantel löst sich aus der Statik des Körpers. Zwischen zeitgenössischer Choreografie und fotografischem Klamauk entfaltet sich eine Bewegung, die ebenso präzise wie entgleisend wirkt. Die klare Geometrie der Stadt steigert dabei die Ungelenkigkeit der Pose, während Haare, Schatten und Stoffe beginnen, sich wie eigenständige Akteure im Bild zu verhalten.
Im Zentrum steht der Moment des Fast-Fallens: ein instabiler Schwebezustand zwischen Kontrolle und Kollaps, in dem keine abgeschlossene Handlung sichtbar wird, sondern die kurzfristige Erscheinung eines Körpers im Übergang. Das Stolpern erscheint nicht als Fehler, sondern als Haltung – als bewusste Geste der Verletzlichkeit und als leiser Widerstand gegen die Inszenierung urbaner Souveränität. In der Abweichung von geradliniger Fortbewegung entsteht eine andere Form von Präsenz: offen, prekär, unvorhersehbar.
Das Künstlerinnenbuch umfasst 88 Seiten und ist in zwei Bildblöcke gegliedert. Zwischen diesen Blöcken befindet sich ein separates Textheft, das beim Öffnen des Buches aus dem Buchkörper „hinausstolpert“ und damit die fragile Balance der fotografischen Serie auch als objekthafte Geste fortführt. Enthalten sind Texte von Dr. Anja Schürmann und Prof. Dr. Gerald Schröder sowie ein Interview im Mockumentary-Stil mit der fiktiven Persona Claus, verfasst von Valerie Schmidt.